Die Zeiten, in denen Anhänger einer gesunden und nachhaltigen Ernährung mit Begriffen wie „Müslifresser“, „Birkenstockträger“ oder „fanatischem Öko“ diskreditiert wurden, sind vorbei. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Ernährung und einem entsprechenden Lebensstil ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Dies demonstriert auch der Zeitschriftenmarkt. Neue Magazine wie „Bio Life“, „Biorama“ oder „Landleben“ finden großen Absatz. Die Zeitschrift „Landlust“ hatte Ende 2012 eine Auflage von über einer Million pro Ausgabe, die Abonnentenzahl klettert weiter. Davon träumen andere Medien nicht einmal.

Auch die Ergebnisse des „Sustainability Image Score“ (SIS), den jüngst die Agenturgruppe Serviceplan vorgelegt hat, machen klar, dass Nachhaltigkeit immer mehr vom „nice to have“ zum „Must-have“ wird: Die von Facit Research durchgeführte Studie zeigt, dass Nachhaltigkeit, die von Kunden anerkannt wird, ein klar identifizierbarer Umsatztreiber ist. Und umgekehrt gilt: Wer in Sachen Nachhaltigkeit ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, bekommt generell Probleme. Doch auch beim Thema Nachhaltigkeit steht die Welt nicht still – auch hier kommen und gehen Trends.

Nachhaltige Produkte – der Ferrari unter den Lebensmitteln

 
Der Gang in den Bio-Supermarkt oder der Griff zum regionalen Edel-Steak sind heute vor allem auch ein Statussymbol und Statement: „Ich kaufe bewusst, ganz einfach weil ich es mir leisten will und kann.“ Nachhaltigkeitsorientierte Food-Marken kämpfen demnach um eine der begehrtesten Zielgruppen überhaupt. Ob studentischer Hipster, erfolgreicher Geschäftsmann oder junge Familie – es geht nicht mehr nur um ein gutes Gewissen, sondern auch um die soziale Erwünschtheit, um die Sichtbarkeit des nachhaltigen Konsums.

Die Lebensmittelbranche muss deshalb vor allem eines vermitteln: Glaubwürdigkeit und Authentizität. Es geht nicht darum, dem Marketing einen grünen Anstrich zu geben, sondern darum, überprüfbare Nachweise für nachhaltiges Verhalten zu liefern und damit Anknüpfungspunkte für Identifikation zu schaffen – sei es durch den Bezug fair gehandelter Rohstoffe, durch neue Transparenz in der Herstellung oder durch besonders fairen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern.

“Die #Renaissance des Selbermachens ist kaum zu stoppen: Wieso #Nachhaltigkeit zum #MustHave wird“

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Einen sehr smarten Dreh fand übrigens Auchan, eine der größten Supermarktketten Europas. Mit Unterstützung der Kreativen von Serviceplan entwarfen sie den „Selfscan Report“. Auchan – positioniert als „der verantwortungsbewusste Discounter mit Lösungen für eine erschwinglichere Nachhaltigkeit“ – integriert in jeden Kassenbon einen Barcode, der direkt zur App führt, die wiederum den Nachhaltigkeitsbericht beinhaltet. Dies schafft Transparenz und spart pro Bericht 99 Prozent Papier.

Food-Trends mit Stil – was kommt, was bleibt?

 
Im Einkaufskorb gewinnen regionale und saisonale Produkte weiterhin an Bedeutung. Das gilt für Gastronomen und für private Gastgeber gleichermaßen – wer möchte seinen Gästen schon offenbaren, dass das Filet aus der Tiefkühltruhe eines Discounters stammt? Auch spannende vegetarische und vegane Gerichte sowie neue alkoholfreie Drinks sind auf dem Vormarsch.

Die neuen Fitness- und Genuss-Vegetarier und die vielen (Teilzeit)-Veganer machen die Aufwertung des Gemüses von der Beilage zum Gericht zum Mainstream. Die Frage nach Bio oder nicht spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn Fakt ist: Die gern zitierte „Bio-Lüge“ gibt es nicht. Denn ob Biolebensmittel immer nachweislich gesünder sind, ist überhaupt nicht die Frage. Bio schont die Umwelt – egal ob in weiter Ferne oder direkter Umgebung. Fakt ist aber auch: Wer einen produzierenden Betrieb in seiner Nähe gut kennt, verzichtet im Zweifel auch auf ein Siegel. Denn die Gebühren dafür kann oder will sich lange noch nicht jeder engagierte Kleinerzeuger leisten.

Rollenmuster zwischen Verbrauchern und Erzeugern werden neu definiert

 
Ebenfalls im Aufwind: neue Geschäftsmodelle wie das Leasing einer Milchkuh, einer Ziege oder eines Weinbergs. Diese Modelle definieren die Rollenmuster zwischen Verbrauchern und Erzeugern neu. Ebenso auf dem Vormarsch ist das Urban Gardening, das Gärtnern in der Großstadt – etwa in Form eines Kräutergartens auf dem Flachdach eines Hochhauses oder des Gemüseanbaus in der städtischen Grünanlage. Diese Renaissance des Selbermachens wird so schnell nicht zu stoppen sein.

Unterm Strich gilt: Gut ist, was gut schmeckt – und was gut schmeckt, ist immer öfter auch hochwertig und nachhaltig erzeugt. Bewusster Lebensstil und urbaner Lifestyle – heute sind das keine diametralen Gegensätze mehr.

Ist Nachhaltigkeit für Sie ein Kaufargument?

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